24.08.2017 - 02:56h
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Schlossruine Rauschenberg

25 Jahre IG Schloßberg

Festveranstaltung mit Fachvorträgen in der Kratz‘schen Scheune .

Ganz im Zeichen der Rauschenberger Schlossruine stand die Jubiläums-veranstaltung der IG Schloßberg Historischer Arbeitskreis Rauschenberg Ende April in der Kratz‘schen Scheune.

Schon vor Beginn der Veranstaltung begrüßte eine Fotoanimation mit Motiven der Schlossruine aus unterschiedlichen Perspektiven und zu unterschiedlichen Jahreszeiten die Besucher. Die Fotos waren größtenteils von Armin Köhler zur Verfügung gestellt worden.

Ca. 100 Besucher aus Rauschenberg und Vertreter benachbarter und befreundeter Vereine und Initiativen konnte Ludwig Pigulla in der Kratz‘schen Scheune begrüßen.

Bürgermeister Michael Emmerich überbrachte in einem Grußwort die Glückwünsche der Stadt Rauschenberg für 25 Jahre ehrenamtliche Arbeit der IG und bedankte sich bei deren Mitgliedern. Die Aufarbeitung der Geschichte der Schlossruine und vielfältige Antworten auf geschichtliche Fragen zur Stadt Rauschenberg wären ohne die Arbeit der IG Schloßberg heute nicht bekannt.

Im Anschluss skizzierte Jürgen Damm die Entstehung der IG Schloßberg und ihre Aktivitäten der letzten 25 Jahre. Er hob besonders das ehrenamtliche Engagement der Gruppe hervor, deren oberstes Ziel zunächst die Sicherung historischer Ofen- und Gebrauchskeramik-scherben war. Die weitere Arbeit war getragen von gemeinsamen Gedanken zur Erforschung und Präsentation historischer Fragestellungen rund um den Schlossberg, die Schlossruine, die Stadt Rauschenberg sowie Sichtung, Bergung, Auswertung und Zuordnung historischer Funde und deren allgemeinvekleinrständliche Präsentation. Ganz wichtig war und ist es der Gruppe, die Bevölkerung für den Wert des Baudenkmals und aller historischen Funde zu sensibilisieren und zu einem bewusst schonenden Umgang mit diesem Kleinod aufzufordern. Als besondere Höhepunkte stellte er die unzähligen Ausstellungen und Vorträge heraus, darunter auch zweimal die Öffnung der Schlossruine anlässlich des europäischen Tages des Denkmals an denen jeweils mehr als 1000 Besucher gezählt werden konnten.

Weitere Aktivitäten waren die jährlich organisierten Wanderungen zum Thema Kräuter, rund um den Schlossberg, Gewölbekeller-, Stadtmauer- und Taschenlampenführung, die Herstellung von Kachelrepliken zu zehn unterschiedlichen Motiven, die Herstellung von Schlossbergkoffern für Vorträge im Rauschenberger Kindergarten und der Rauschenberger Grundschule, die Erstellung von Flyern zur Schlossruine sowie Faltkarten mit Motiven der Ofenkacheln und die Anfertigung eines Schlossmodells.

Model Schlossruine Rauschenberg

Mit Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege konnte die IG Schloßberg im Jahr 2005 den gesamten Schlossberg vermessen lassen. Ca. 5000 Messpunkte waren dafür erforderlich.

Als Höhepunkte und größte bisherige Wertschätzung ihrer Bemühungen für den Erhalt des Kulturdenkmals „Schlossruine Rauschenberg“ galten die Verleihung des Otto-Ubbelohde-Preises sowie die Verleihung des 1. Preises der Region Burgwald „Kulturregion mit Zukunft“.

In einem Ausblick formulierte er zukünftige Projekte und Wünsche, darunter noch in diesem Jahr die Unterstützung der Ferienspiele in Rauschenberg, um jungen Menschen den Wert der Schlossruine für zukünftige Generationen näher zu bringen. Er schloss seinen Vortrag mit einem Dank an alle Unterstützer der IG Schloßberg.

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Ing. Helmut Burger anhand einer eisernen Ofenplatte des Rauschenberger Museums zum Thema „Eiserne Ofenplatten in der Reformationszeit“. In seinem Fachvortrag ging Dr. Burger auf den Aufbau der Öfen der damaligen Zeit im allgemeinen ein, die oft aus einem Unterteil mit gusseisernen Ofenplatten bestanden, um schnell Wärme abzugeben und einem Aufbau aus tönernen Ofenkacheln, die die erzeugte Wärme länger abzugeben im Stande waren. Das Model für die präsentierte Ofenplatte stammte von Philipp Soldan, der im Übrigen auch das Portal und die Reliefs am steinernen Treppenturm des Rauschenberger Rathaus geschaffen hat.

Dass die gusseiserne Ofenplatte im damaligen Zentrum deutscher Eisengusstechnik in einer Hütte bei Haina gegossen wurde, sorgte für Erstaunen unter den Zuhörern.

Nach einer kurzen Pause referierte der Historiker Harald Rosmanitz aus Partenstein über die Bedeutung der in Rauschenberg aufgefundenen biblischen Kachelmotive im Bezug zur Reformationszeit.

Er stellte den Zusammenhang zwischen der Unterstützung des Reformators Martin Luther durch den Marburger Landgrafen Philipp den Großmütigen und den Ofenkacheln in den Kachelöfen des Rauschenberger Schlosses dar. Die von der IG Schloßberg gefundenen Ofenkacheln stammen als eindeutig lutherisches Programm aus dem Ende der Reformationszeit und stellen ein besonderes Juwel des Kachelofenbaues ausgangs des 16. Jahrhunderts in der heimischen Region dar.

Originalofenkacheln aus dem Rauschenberger Schloss

Orginal Kachelabbildung Christus Orginal Kachelabbildung Moses Orginal Kachelabbildung Johannes

Nach diesem kurzweiligen interessanten Vortrag bedankte sich die IG Schloßberg bei den Referenten und Armin Köhler jeweils mit einem Präsent. Gemeinsam schloß sich ein intensiver Gedankenaustausch zwischen den Gästen und den Mitgliedern der IG Schloßberg an.